Hochzeit Campingplatz

Hochzeit auf dem Campingplatz: Regeln und Ablaufplan

Heiraten auf dem Campingplatz geht, wenn der Betreiber mitspielt. Wie lange ihr feiern dürft, hängt davon ab, ob außer euch noch jemand auf dem Platz steht.

Läuft der normale Betrieb weiter, gilt die Platzordnung. Auf den meisten Plätzen heißt das: ab 22 Uhr Nachtruhe, Lautsprecher aus. Mietet ihr den Platz komplett, sieht die Sache anders aus. Dann gibt es niemanden mehr, den die Musik stört, und die Platzordnung ist Hausrecht des Betreibers. Er kann sie für euch aussetzen.

Darf man auf einem Campingplatz überhaupt heiraten?

Ein Campingplatz ist ein Beherbergungsbetrieb, keine Eventlocation. Nebenan stehen Dauercamper, die ihr Wochenende anders geplant hatten. Der Betreiber entscheidet allein, und er hat gute Gründe, vorsichtig zu sein.

Fragt ein Jahr vorher, nicht zwei Monate. In der Vor- und Nachsaison sagen deutlich mehr Plätze zu, weil weniger Gäste betroffen sind. Und schaut gezielt nach Plätzen, die sich selbst als Eventlocation vermarkten. Wer noch keinen passenden Campingplatz im Blick hat, findet in unseren Platzvorstellungen einen Ausgangspunkt.

Den ganzen Platz mieten

Das ist der eleganteste Weg und oft günstiger, als es klingt. Kleine Plätze mit dreißig bis fünfzig Stellplätzen lassen sich außerhalb der Saison komplett buchen. Der Preis richtet sich meist nach Stellplätzen mal Nächten, manche Betreiber arbeiten mit einer Mindestabnahme.

Was ihr davon habt: keine fremden Gäste, keine Rücksicht, keine Beschwerden von Platznachbarn. Der Betreiber kann euch schriftlich zusagen, dass bis zwei oder drei Uhr Musik läuft.

Zwei Dinge bleiben trotzdem zu klären. Erstens die Nachbarschaft außerhalb des Zauns. Ein Platz mitten im Wald ist unproblematisch, einer am Ortsrand nicht. Zweitens die Behörde, sobald es wirklich laut wird.

Musik nach 22 Uhr: die Ausnahmegenehmigung

Für den Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr gilt draußen ein Richtwert von 55 dB(A). Eine Band oder eine Anlage liegt darüber. Dafür gibt es die Regelung für seltene Ereignisse aus der Freizeitlärmrichtlinie: An bis zu 18 Tagen im Kalenderjahr darf ein Betrieb die Richtwerte überschreiten, an höchstens zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden.

Zuständig sind in der Regel die Kreise, in Gemeinden ab 30.000 Einwohnern oft die Gemeinde selbst. Die Details unterscheiden sich je nach Bundesland, fragt also beim Ordnungsamt vor Ort.

Der Punkt, den kaum jemand kennt: Diese 18 Tage gehören dem Platz, nicht euch. Ein Campingplatz, der von Mai bis September jedes Wochenende eine Feier ausrichtet, hat sein Kontingent längst verbraucht, wenn ihr im August anfragt. Fragt deshalb früh, wie viele Veranstaltungen der Platz pro Jahr macht.

Meist beantragt der Betreiber die Genehmigung, weil er der Betriebsinhaber ist. Klärt aber, wer sich kümmert und wer zahlt.

Ein Ablauf, der in beiden Fällen funktioniert

Auch mit Genehmigung lohnt es sich, den Tag früher zu beginnen als im Saal. Die Gäste sind draußen, das Licht ist schöner, und niemand sitzt um 23 Uhr im Kalten.

Uhrzeit Programm
11:00 Standesamt im Ort, kleiner Kreis
14:30 Gäste reisen an, Check-in am Platz
15:30 Freie Trauung
16:15 Sekt und Fotos
18:00 Essen und Tortenanschnitt
20:00 Eröffnungstanz
ab 22:00 Entweder Anlage aus und Lagerfeuer an, oder mit Genehmigung weiter

Ohne Genehmigung endet die Musik um 22 Uhr, der Abend aber nicht. Gitarre statt Playlist, Feuerschale statt Tanzfläche. Wer das von Anfang an so plant, vermisst nichts. Wer es um 21:50 merkt, ärgert sich.

Was ihr den Platzbetreiber fragen müsst

  • Können wir den Platz exklusiv mieten, und zu welchem Preis?
  • Wenn nicht exklusiv: Wie viele Tagesgäste dürfen dazu, und was kostet die Tagesgebühr pro Person?
  • Müssen Besucher vorher angemeldet werden? Viele Plätze verlangen das einen Tag im Voraus, mit Namensliste.
  • Bis wann darf Musik laufen, und steht das schriftlich im Vertrag?
  • Wie viele Veranstaltungen richtet ihr pro Jahr aus? Das entscheidet über das Kontingent für seltene Ereignisse.
  • Wer beantragt eine Ausnahmegenehmigung, und wer trägt die Kosten?
  • Wie viele Mietunterkünfte sind an dem Wochenende frei?
  • Wie viele Stromsäulen dürfen wir nutzen, mit wie viel Ampere abgesichert?
  • Dürfen wir ein Zelt aufstellen, und wie groß?
  • Sind Feuerschalen erlaubt?
  • Darf externes Catering auf den Platz, oder besteht Anbieterbindung?
  • Gibt es eine Kühlmöglichkeit, die wir mitbenutzen dürfen?

Die letzte Frage vergessen fast alle und bereuen es.

Das Standesamt kommt nicht auf den Platz

Standesamtlich heiraten könnt ihr nur an Orten, die als Trauort zugelassen sind. Ein Campingplatz gehört so gut wie nie dazu. Der amtliche Teil läuft also vorher, im Rathaus oder einem offiziellen Trauzimmer, meist mit einer Handvoll Leute.

Die Zeremonie, bei der alle dabei sind, ist dann eine freie Trauung. Rechtlich zählt sie nicht, dafür gibt es keine Vorgaben. Kein zugelassener Raum, keine Öffnungszeiten, kein festes Schema. Sie funktioniert am Steg, auf der Wiese oder zwischen den Bäumen, so wie bei einer Hochzeit im Wald. Ein freier Redner trifft euch vorab und baut die Rede um eure Geschichte.

Ab etwa 30 Gästen braucht ihr draußen einen Akku-Lautsprecher mit Funkmikrofon. Ohne versteht die hintere Reihe kein Wort, sobald Wind aufkommt.

Waldhochzeit

Wo die Gäste schlafen

Hier schlägt der Campingplatz jede Eventlocation. Wer selbst campt, bucht einen Stellplatz. Für Gäste, die kein eigenes Fahrzeug haben, sind Mietunterkünfte, Mobilheime oder Safarizelte die Lösung. Ein Dachzelt auf dem Auto der Trauzeugen tut es zur Not auch. Reserviert die Einheiten als Block, sobald der Termin steht.

Der eigentliche Gewinn kommt am Abend: Niemand fährt, niemand bestellt ein Taxi, niemand verschwindet um 23 Uhr. Alle bleiben, bis sie müde sind.

Sanitär wird knapp

Sechzig Gäste in Anzug und Kleid teilen sich das Sanitärgebäude. Morgens vor der Trauung wird es eng, wenn dreißig Leute gleichzeitig duschen wollen. Fragt nach einem zweiten Sanitärhaus oder mietet Komfortkabinen dazu, die viele Plätze tageweise anbieten. Für die Braut lohnt sich ohnehin eine Unterkunft mit eigenem Bad statt eines Zelts.

Strom: mehr als ein Wasserkocher geht oft nicht

Eine Stellplatzsäule ist kein Hausanschluss. Je nach Platz sind die Anschlüsse mit 6, 10 oder 16 Ampere abgesichert.

Absicherung Leistung
6 A rund 1.380 Watt
10 A rund 2.300 Watt
16 A rund 3.680 Watt

Zählt zusammen, was gleichzeitig läuft. Kühlung, Musikanlage, Lichterketten, Kaffeemaschine. Bei 6 Ampere ist nach dem Wasserkocher Schluss. Verteilt die Verbraucher auf mehrere Säulen. Rechnet dabei ein, dass ihr deutlich mehr Verlängerungen und Adapter braucht als sonst, weil die Säulen selten dort stehen, wo gefeiert wird. Ein Generator ist die Notlösung und muss leise sein.

Regen

Ohne Zelt kein Plan B. Reserviert eines, sobald der Termin steht, und entscheidet 48 Stunden vorher, ob es aufgebaut wird. Die meisten Verleiher machen das mit.

Denkt an den Boden. Eine Wiese, auf die zwei Tage lang Regen fällt, trägt keine Stuhlbeine mehr, auch wenn am Hochzeitstag die Sonne scheint. Holzplatten unter Tischen und Tanzfläche lösen das, kosten aber Miete und Aufbauzeit.

Essen und die Torte

Catering, Grill oder Platzgastronomie ist Geschmackssache. Schwierig wird alles, was Kühlung braucht.

Die Hochzeitstorte ist der kritischste Punkt des Tages. Buttercreme wird ab etwa 25 Grad weich, Sahne früher, und einen Kühlschrank für eine dreistöckige Torte hat kein Campingplatz. Dazu kommt der Weg über Schotter zum Festplatz. Wer mehrere Etagen plant, braucht Stützstäbe und eine passende Box. Worauf es ankommt, steht in diesem Ratgeber zum Transport von Torten.

Draußen funktionieren zwei Bauarten besser. Eine Naked Cake kommt mit wenig Creme aus und verzeiht Wärme. Mehrere kleine Torten stehen stabiler, lassen sich einzeln im Schatten lagern und sind schneller angeschnitten. Legt den Anschnitt früh, gegen 18 Uhr.

Flitterwochen im Wohnmobil

Der Übergang ist der schönste Teil. Kein Flughafen am nächsten Morgen, nur Stecker ziehen und losfahren. Wer für die Hochzeitsreise noch kein Wohnmobil hat, findet im Markt gebrauchte Fahrzeuge.

Nehmt euch trotzdem einen Tag Puffer. Abbauen, Leergut zurückbringen und mit dem Platz abrechnen dauert länger als gedacht. Und bucht den ersten Stellplatz der Hochzeitsreise vorher. Am Tag nach der eigenen Feier will niemand um 18 Uhr noch suchen.

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